Astrofotografie ohne Teleskop – Die Aufnahme

Daniel Reither

Im Zweiten Teil der Astrofotografie- Serie geht es um die eigentliche Aufnahmetechnik. Immerhin nutzt die ganze Technik nichts ohne entsprechendem Wissen.

Bei dieser Technik werden viele Bilder aufgenommen und zu einer einzigen Aufnahme verschmolzen. Dadurch werden die Belichtungszeiten addiert und es ist uns möglich, auch Objekte abzubilden, die normalerweise eine automatische Nachführung benötigen. Es gibt allerdings auch Einschränkungen. Denn bei sehr Lichtschwachen Objekten treffen zu wenig Photonen (Lichtteilchen) auf den Sensor, um ein vernünftiges Bild erzeugen zu können. Deshalb sollten Sie eher hellere Objekte als Motiv wählen. M31 (Andromedagalaxie) oder M42 (Orionnebel) bieten sich besonders gut an.

 

Die Einstellungen an der Kamera

 

  • Stellen Sie ihre Kamera auf den manuellen Modus ein. Dieser wird als großes (M) am Einstellrad angezeigt.
  • Wählen Sie die niedrigste Blendenzahl (z.B: f2,8)
  • Beim ISO muss experimentiert werden. 1600, 3200 oder 6400 bieten sich an. Starten Sie allerdings erst einmal bei 1600 und hanteln Sie sich auf einen höhere ISO vor.
  • Die richtige Verschlusszeit zu finden ist das schwierigste. Denn wenn zu lange belichtet wird, dann werden die Sterne nicht mehr punkt- sondern strichförmig dargestellt. Um das zu vermeiden, gibt es drei Möglichkeiten
    • Berechnung mittels einer Formel
    • Berechnung mittels der 300er- Regel
    • Versuch und Irrtum
  • Bildstabilisator AUS
  • Manueller Fokus EIN
  • Aufnahme der Bilder erfolgt in RAW

 

Die Verschlusszeit berechnen

 

1. Berechnung mittels Formel

 

Die maximale Belichtungszeit errechnet sich wie folgt:

 

Belichtungszeit = 13713*Länge der Strichspur/ Brennweite* cos(Delta)

Die Länge der Strichspur gibt an, wie stark ein Stern als Strich und nicht als Punkt dargestellt werden soll. Dazu benötigen Sie die Abmessungen ihres Sensors (diese Info finden Sie bei den technischen Daten ihrer Kamera). Nehmen wir einmal an, der Sensor hat eine Abmessung von 30x 20mm und eine Auflösung von 3000×1000 Pixel. Dividieren Sie nun die Länge durch die Pixelzahl. In unserem Beispiel wäre das 30:3000. Dies ergäbe eine Pixellänge von 0,01mm. Es kann ruhig eine Toleranz von zwei Pixel angenommen werden. Das wäre dann 2*0,01= 0,02mm. Jetzt einfach nur noch in die Formel einsetzen.

cos(Delta) gibt die Himmelsdeklination in Grad an. Diese finden Sie z.B. auf Wikipedia oder dem gratis Programm Stellarium.

 

Bei M42 (Orionnebel) würde die Formel wie folgt aussehen:

13713*0,02mm/200mm*cos(5°)= 1,3 sek

Je näher sich das Objekt am Polarstern befindet, desto länger wird auch die mögliche Belichtungszeit. Dies unterscheidet sich stark von der sehr allgemein gehaltenen 300er-Regel. Wenn es aber ein spontaner Fotoausfug wird und sie keinen Taschenrechner zur Hand haben, ist die nächste Variante, die leichter umsetzbare.

 

2. Die 300er- Regel und Versuch und Irrtum

 

Hierzu muss lediglich die Zahl 300 durch die verwendete Brennweite dividiert werden. Vorsicht bei Kropkameras, hier müssen Sie den Kropwert miteinbeziehen. Bei Nikon ist das meistens 1,5 und bei Canon 1,6. Das heißt, hat das Objektiv eine Brennweite von 200mm, ergibt sich für Nikon eine reelle Brennweite von 300mm. In unserem Fall wäre das also 300:300mm= 1sek. Sie sehen, für einen groben Richtwert völlig ausreichend. In Kombination mit der 3. Variante „Versuch und Irrtum“ lässt sich die Ermittlung der maximalen Belichtungszeit am einfachsten ermitteln. Da so oder so einige Testaufnahmen notwendig sind, bietet sich die Kombination der letzteren beiden für die Praxis an.

Machen Sie also ein Testbild und sehen sie sich das Bild in der Vorschau genau an, ob Ihnen irgendwelche Strichspuren an den Sternen auffallen. Tasten Sie sich so an die maximale Belichtungszeit heran. Nach einiger Übung ist das in max. 5 min erledigt.

 

 

Auf das Objekt ausrichten und scharf stellen

 

Wenn Sie ihr Objekt der Begierde auserwählt haben, geht es darum, es erst einmal am Nachthimmel zu finden. Für Anfänger gibt es heutzutage tolle App´s fürs Handy. Stellarium oder SyPortal von Celestron bieten sich besonders an. Ist das Objekt ausgemacht, muss die Kamera auf das Objekt ausgerichtet werden.

Ist das Objekt gefunden, drehen Sie so lange am Fokus, bis die Sterne scharf erscheinen. Viele Kameras haben auch noch ein digitales Zoom, welches zusätzliche Hilfestellung bietet.

 

 

Bilder aufnehmen

 

Jetzt muss lediglich eine Bildserie aufgenommen werden. Hier gilt, je mehr desto besser. Es dürfen auch einmal 200 Bilder sein. Aus persönlicher Erfahrung können ca. 50 Bilder gemacht werden. Danach muss das Objekt wieder neu justiert werden.

Haben Sie die sogenannten Lightframes gemacht, müssen noch die Bias- und die Darkframes gemacht werden. Dazu verschließen Sie einfach das Objektiv mit dem Objektivdeckel. Diese Bilder dienen dazu, das Sensor und Geräterauschen herauszufiltern. Dies übernimmt in späterer Folge das Freeware Programm Deepskystacker.

Die Darkframes werden mit den exakten Einstellungen wie die Lightframes aufgenommen.

Die Biasframes werden mit der kürzesten Verschlusszeit (meistens 1/4000) gemacht.

Generell sollten mindestens 20 dieser Bias- und Darkframes gemacht werden. Aber auch hier gilt, je mehr desto besser. Idealer Weise haben Sie einen programmierbaren Selbstauslöser. Dann können Sie während dieser Bilder auch einmal Pause machen. ;-P

Mit ca. 100- 400 Bildern geht’s dann ab nach Hause zur Bildbearbeitung. Wie das funktioniert, erfahren Sie im nächsten Teil der Serie.

 

 

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